January 21st, 2007
Der Vergleich macht uns sicher
Sind wir Hunde-Freunde eine Minderheit? Eine Rand-Gruppe? Müssen wir uns verstecken? Oder können wir uns trauen, selbstbewusster aufzutreten?
Aus Statistiken wissen wir: In 16,5 Prozent aller österreichischen Haushalte lebt mindestens ein Hund oder – so eine IMAS-Untersuchung: 14 Prozent der Österreicher, das sind 972.000 Personen, haben einen der 560.000 der treuen Weggefährten im Haushalt.
14 Prozent oder 972.000 Personen – das klingt nach sehr viel. Alles relativiert sich, wenn eben 86 Prozent (ca. 7,1 Mio) der Österreicher keinen Hund haben.
Vergleichen wir aber trotzdem, in welcher “Liga” wir Hundebesitzer mitspielen:
Ebenfalls nur 14% der Österreicher gehen regelmäßig in die Kirche (IMAS-Studie Dez. 2001) – egal, welcher Konfession wer angehört.
Apropos Konfessionen: Nach der Volkszählung 2001 steht fest: In Österreich sind 376.150 Personen evangelischen Glaubens und 338.988 bekennen sich zum Islam.
Bleiben wir bei den 14%:
14% der Österreicher vertrauen unseren Politikern “ein wenig” (nur 2% sehr viel / GfK-Studie November 2003) und ebenfalls 14% verwenden Kondome (Quelle: Global Sex Survey 1999).
Ein gleich großer Prozentsatz der Österreicher besucht häufig Konzerte bzw. Theater.
Leute die sich in ihrer Freizeit häufig Gesellschaftsspielen bzw. Kartenspielen widmen, sind sicher keine Randgruppe. Tatsächlich sind es aber nur 15% der Österreicher, die häufig spielen. Nur 13% besuchen Kurse bzw. bilden sich beruflich weiter. 12% lösen in ihrer Freizeit Rätsel. Neun Prozent geben fotografieren oder filmen als Freizeitbeschäftigung an. Acht Prozent besuchen Vorträge oder Versammlungen und – man glaubt es kaum: Nur sechs Prozent der Österreicher musizieren selbst. (Quelle: IMAS September 2002).
Rufen wir uns in Erinnerung: Hier geht es um häufig und in der Freizeit. Um Hunde muss man sich täglich kümmern. Also regelmäßig!
Nur um die Relationen herauszuarbeiten: Während sich 14% täglich mit mindestens einem Hund beschäftigen, spielen in der Freizeit nur 19% aller Österreicher mit Kindern! (Quelle IMAS)
Kommen wir aber zur sportlichen Betätigung der Österreicher. Radfahren – so eine Erhebung des “Österreichischen Statistischen Zentralamts” – steht mit 22,2% an erster Stelle, wenn es um “regelmäßige Sportausübung” geht. Natürlich fährt man nicht täglich mit dem Rad. Das ist wetterbedingt. Mit dem Hund geht man aber an jedem der 365 Tage im Jahr vor die Haustüre – egal, ob es regnet, stürmt, schneit oder 35 Grad im Schatten hat. Nummer 2 im Sportranking ist Skifahren (12,9%). Natürlich nur im Winter, wenn genug Schnee liegt, wenn man Urlaub hat, wenn, wenn, wenn…. Hundebesitzer aber gehen täglich…..
Schwimmen folgt mit 12,6% – aber fast immer nur im Sommer, wenn das Wasser warm genug ist, wenn das Bad geöffnet hat, wenn die Sonne scheint, etc.
Erst an 4. Stelle folgt als regelmäßige sportliche Betätigung mit 11,3% Wandern bzw. Bergwandern – tws. sicher mit Hund. Acht Prozent betreiben Gymnastik, Aerobic oder gehen in ein Fitnessstudio.
Nehmen wir nun an, dass all die 560.000 Hunde nicht täglich ausgeführt werden (z.B. Hunde auf Bauernhöfen) und doch einige Leute mit zwei oder mehreren Hunden unterwegs sind, dann gehen – geschätzt – 450.000 Menschen täglich mit dem Hund eine Runde und nicht wenige davon auch regelmäßig am Hundeplatz.
Das bedeutet, dass alle weiteren Sportarten von weniger Leuten ausgeübt werden, als Hundebesitzer spazieren, wandern oder trainieren gehen. Nach uns Hundlern findet man somit in der Statistik: Eislaufen/Eishockey (5,6%), Laufen/Joggen (5,4%), Tennis (5,1%), Fußball (5,1%), Skilanglauf/Tourenskilauf (4,4%), Snowboarden (4,0%), Mountain Biking (3,7%), Reiten (1,4%), Segeln/Surfen (0,8%), Golf (0,8%), etc.
Wie gesagt: Fast alle Sportarten, von denen die Österreicher angeben (wie immer man das Wort jetzt interpretieren mag), dass sie sie regelmäßig ausüben, sind saison- bzw. wetterabhängig. Also kann keine dieser Sportarten täglich ausgeübt werden, wie der Hundespaziergang oder das Spiel mit dem Hund.
Kein Wunder, dass Hundebesitzer gesünder sind, als Nicht-Hundler.
Dies bestätigen zahlreiche Studien, die Bonnie Beaver von der Texas A&M Universität in College Station nun zusammengefasst hat.
Hundebesitzer leben gesünder, da sie durch die täglichen Spaziergänge in Bewegung gehalten werden. Bereits zehn Minuten in der Gesellschaft eines Tieres reduzierten deutlich den Blutdruck des Besitzer, berichtet Beaver, die sich am College für Veterinärmedizin mit dem Verhältnis von Mensch und Tier befasst. Ausserdem haben die Halter einen niedrigeren Blutzucker- und Cholesterinspiegel. Die Heilungschancen nach einer Operation sind höher, und ein Herzinfarkt führt seltener zum Tod. Alte Menschen nehmen seltener ärztliche Hilfe in Anspruch, wenn sie einen Hund besitzen. Sie fühlen sich dann seltener isoliert oder einsam und leiden weniger oft unter Angstzuständen und Depressionen.
Bedenkt man nun, mit welchen Milliarden-Investitionen “Sport-Stätten” – vom Fitness-Center über Golfplätze bis zu Ski-Arenen gebaut werden, dann sollte es bald den Hund auf Krankenschein geben.
Milliarden werden auch in den Tourismus allgemein gesteckt. Nehmen wir einmal hier die Vergleichszahlen.
Zur Erinnerung: In Österreich gibt es 560.000 Hunde und 972.000 Menschen leben mit Hunden in einem Haushalt.
“Nur” 500.000 Personen arbeiten in Österreich direkt bzw. indirekt (z.B. Zulieferer) in Hotelerie, Gastronomie und Tourismusbetrieben (Quelle: Österreich Werbung)
494.000 Österreicher verbrachten im Jahr 2002 übrigens ihren Urlaub (länger als 4 Übernachtungen) in Kroatien, 477.000 in Kärnten, 355.000 in Griechenland, 325.000 in der Türkei. 280.000 in Tirol und 224.000 in Spanien (inkl. natürlich Mallorca, Kanarische Inseln).
Wie werden wir denn alle von den Reiseveranstaltern, den Tourismusregionen umworben? Die Tourismus-Büros von Griechenland, Türkei & Co umwerben uns alle mehr, als Politiker Hundebesitzer vor einer Wahl. Also sind wir doch eine “vernachlässigbare Randgruppe”. Oder?
Wenn wir noch – die “UH” hatte darüber berichtet – die Ausgaben der Hundebesitzer vergleichen, dann stehen wir noch besser im richtigen Licht. Nimmt man alles zusammen – von den Ausgaben für Leine, Futter, Tierärzte, Benzin, um zum Hundeplatz zu kommen, etc. – geben wir Hundler pro Jahr ca. 550 Millionen Euro pro Jahr aus. Im wirtschaftlichen Umfeld liegen wir dabei gleichauf mit dem Umsatz des größten heimischen Reisebüros, dem “Österreichischen Verkehrsbüro” (540 Mio Euro Umsatz). Zum Vergleich einige Firmen, die weniger Umsatz haben, als die “Firma Hund”: Mediaprint (310 Mio), BIPA (475 Mio), Agrana Zucker (463 Mio), Esso Austria (417 Mio), IKEA (346 Mio).
Fassen wir zusammen: Finanziell gesehen, vom Umsatz her würden die “Firma Hund” im Ranking der Top-1000 Unternehmen Österreichs an 103. Stelle liegen. Es haben mehr Leute einen Hund als es Kartenspieler, Theaterbesucher, Jogger oder Tennisspieler oder regelmäßige Kirchgänger gibt. Wir sind die Gruppe, die täglich mit dem Hund unterwegs ist und nicht nur je nach Saison oder Witterung einen Sport ausübt. Somit liegen wir auf Platz 1. Und wir sind – das dürfen wir nie vergessen! – bei internationalen Wettkämpfen die erfolgreichste Hunde-Nation.
Der Vergleich macht uns also sicher: Wir müssen uns nicht verstecken. Wir müssen uns nicht immer nur ducken, wenn wir mit Gesetzen zugedeckt werden, die unser Zusammenleben mit Hunden behindern. Wir müssen nur eines: Zeigen, dass wir eine geschlossene Gruppe sind – größer als viele, viele andere – die ernst genommen werden muss!
Paul Cech
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