January 21st, 2007
Hunde an die (Wirtschafts-)Macht
Was sind Hunde in der Öffentlichkeit? Partner? Kläffer? Beißer? Straßenverschmutzer?
Als eines sind sie bisher nicht: anerkannt: Als Wirtschaftsfaktor!
Wir Hundebesitzer kämpfen an allen Fronten: Gegen strengste und meist schwachsinnige Gesetze. Gegen Misstrauen. Gegen Vorurteile. Während wir und mit all diesen Themen verärgert auseinander setzen (müssen), rauschen andere Hobby-Sportler an uns vorbei: Eine neue Langlaufloipe? Nein! Neue Mountainbike-Strecken? Nein! Neue Skipisten? Nein! Ein neuer Golfplatz? Nein! … und immer, immer wieder kommt es im Endeffekt zu einem definitiven „Ja“, weil alle Für und Wider abgewogen wurden…. und bei all diesen „politischen“ Entscheidungen hieß das „Für“: „Für“ den Wirtschaftsfaktor. Also Geld. Umsatz. Umwegrentabilität.
Mittlerweile ist bekannt, dass wir pro Jahr ‘rund um den Hund’ nicht weniger als Euro 680 Mio. ausgeben – also ca. 9,4 Milliarden uns vertraute Schilling!
Damit spielt die „Firma Hund“ mit ihren 580.000 „Filialen“ (=Hunden) vom Umsatz her in einer
Liga mit z.B. dem „Österreichischen Verkehrsbüro“, der „Wiengas“, der „Mediaprint“ („Kronen-Zeitung und „Kurier“, etc.) mit. Hunde liegen somit deutlich vor „Bipa“, „Agrana Zucker“, „Unilever Österreich“, ESSO Austria“, „BMW Austria“, etc… ja sogar weit vor „Master Foods“ (Pedigree Pal, Chappy & Co).
Das nur einmal zu unserem eigenen Verständnis – zur Hebung des Selbstbewusstseins!
Und genau das ist aber der Ansatz! Wenn in einer der oben genannten Firmen aus welchen Gründen auch immer 20 oder 50 Arbeitsplätze gestrichen werden sollten, sind das
Schlagzeilen!
Wir Hundler haben nur dann Schlagzeilen, wenn einer von 580.000 Hunden einmal gebissen hat – aus welcher Situation heraus auch immer.
Wenn eine Firma Pleite macht, sucht man nach „Arbeitsplatz-sichernden“ Maßnahmen. Wenn ein Hund einen Unfall verursacht, werden Gesetzesschrauben – wider jeglichen wissenschaftlichen Untersuchungen – so eng gedreht, dass eine artgerechte Hundehaltung nicht mehr möglich sein kann.
Und genau da sind wir wieder bei den Golfplätzen, Mountainbike-Strecken, Skipisten & Co. und „deren“ Wirtschaftlichkeit.
Diese Euro 680 Millionen pro Jahr sind jetzt einmal eine erste Schätzung.
Berechnet wurden: Kauf eines Hundes, minimale Tierarztkosten, durchschnittliche Futterkosten einen „mittelgroßen“ Hundes. Dazu: Ein Semester Hundeausbildung, Leinen, Hundespielzeug – und eben alles, was noch dazugehört, aber stets „vergessen“ wird.
Hinter der „Firma Hund“ steckt ja eine immense Maschinerie, eine Logistik!!!!
Gäbe es keine Hunde (jetzt rein theoretisch), könnte ca. jeder dritte Tierarzt (statistisch) seine Ordination schließen. Den Tierarzt als solches lassen wir vorab beiseite (auch seine Steuerleistung): Aber es geht um Mieten der Ordination, um die Einrichtung, Röntgengeräte, Tierarzt-Helfer/innen. Strom, Wasser, Auto des Arztes…
Dasselbe bei Hundefutter: So wie ja der Strom „nur“ aus der Steckdose kommt, so bekommen wir das Futter ja „nur“ im Supermarkt. Oder?
Denken wir an die Arbeitsplätze von Master Foods in Bruck/Leitha. Die Gabelstaplerfahrer und die Speditionen. Dasselbe bei Royal Canin oder IAMS/Eukanuba. Da werden überall hunderte Arbeitsplätze im unmittelbaren Bereich geschaffen. Und es geht weiter: All die Zoo-Fachgeschäfte. Die Regaleinräumer/innen der Supermärkte. Die Leinen-Hersteller, die Maulkorb-Erzeuger. Schutzwände, Schutzärmel, Hundespielzeug.
Autos??? Was haben die mit Hunden zu tun? Geschätzte 25-30% aller Hundebesitzer fahren Kombis, die teurer sind, als Limousinen = zusätzlicher Umsatz. Gitter-Boxen auf der Ladefläche. Schmutzdecken am Rücksitz. Sprit für die Fahrten zu Hundeplätzen oder zu Auslaufzonen…. Ja! Auch das gehört alles zum „Wirtschaftsfaktor Hund“!
Urlaube? Hundehotels! Tierpensionen. Hundesitter… alles gehört zum Umsatz.
Bücher, Videos! Was hängt denn – nur beispielhaft – an einem Hunde-Buch? Ein Autor, der es schreibt und dafür ein Honor bekommt. Ein Fotograf. Ein Verlag. Eine Druckerei. Der Vertrieb. Werbung für das Buch. PR. Handelsspannen beim Buchhändler.
Oder bleiben wir bei der Werbung: Gerade Hundefutter-Hersteller inserieren, werben um -zig-Millionen Euro. Ohne diese Werbung könnten viele Zeitschriften gar nicht leben. Aber auch Hundemagazine haben Angestellte, einen Vertrieb – und der Trafikant verdient natürlich auch dran.
Nicht zu vergessen die Hundesteuer, die wir alle und jährlich abliefern müssen. Und wir wissen alle: Dieses Geld wird weder zur Kot-Beseitigung, den verantwortungslose Hundebesitzer liegen lassen, verwendet, noch zur Finanzierung von Tierheimen.
Und da sind wir wieder beim Wirtschaftsfaktor Hund und Tierheim. Klar haben die meisten Verluste, kämpfen um’s Überleben. Währenddessen haben aber Zeitungen eigene Seiten oder Kolumnen, die von vollbezahlten Redakteuren betreut werden. Und dann gibt es Layouter, die diese Seiten (mit-)gestalten und Fotografen, die ja die Tiere abbilden. Die machen das nicht gratis.
Jeder Tiersendung kostet im TV -zig-tausend Euro Produktionskosten. Honorare, etc. Auch wenn diese Sendungen zu einem Teil gesponsert werden: Auch hier fließt Geld.
Dann hat man endlich einen Hund und die Grundausstattung im Zoogeschäft gekauft. Nächster Schritt ist der Hundeplatz, die Erziehung. Auch wenn fast alle ehrenamtlich arbeiten – es fließt Geld: Die Kursgebühr als erstes. Dann die Getränke im Klubhaus bzw. auch die Speisen. Die Kosten für die Anfahrt haben wir oben schon beim Thema Auto.
Aber wie kam es zu dem Hundeplatz und dem Klubhaus???? Holz, Fenster, Heizung, Licht + Strom, Flutlicht. Eiskasten und Herd. Sessel und Vorhänge. Senkgruben oder Kanalanschluss. Zäune. Schattenspendende Bäume, Rasenmäher – alles musste einmal angeschafft werden bzw. wird regelmäßig instand gehalten. Spenden. Mitgliedsbeiträge. Veranstaltungen (für die man wieder bezahlt = Druckkosten) Werbung .
Bei Leuten, die an Kursen teilnehmen, muss man noch weiters dazurechnen: Geeignetes Schuhwerk. Jacken. Hosen. Kappen. Trainings-Anzüge. Einheitliche Club-T-Shirts. Motivations-Futter für die Hunde. All die Geräte auf den Plätzen.
Jetzt sind wir aber noch gar nicht beim Thema Hundeausstellungen:
Fangen wir also bei den Beiträgen an, die der ÖKV für Zuchtbucheintragungen bekommt und bei Standgebühren. Das ist alles nichts gegen das, was die Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe z.B. in Tulln oder Oberwart oder Graz verdienen! Da fließen jährlich Millionen – auch Euro!
Millionen, ohne an jene Ausstellungen zu denken, bei denen an reiche Japaner & Co z.B. DSH-Zuchtrüden verkauft werden bzw. ohne als Weltausstellungen oder Weltmeisterschaften zu denken, zu denen viele, viele Leute auch mit Austrian Airlines anfliegen.
Denken wir an Seminare: Hunderte Kilometer Anreise und Übernachtungskosten plus Seminarkosten… Aber da reden wir nur von Österreich. Viele schlaue Hundebesitzer besuchen auch international Seminare, nehmen an internationalen Schulungen teil oder weltweiten Hundeausstellungen.
Wie gesagt: Die 680 Millionen Euro oder 9,4 Milliarden Schilling pro Jahr sind vorab eine Schätzung. Wahrscheinlich ist es auch mehr.
Wesentlich ist lediglich: Unsere Hunde dürfen nicht nur als kläffende und kotende Umweltbelästigung gesehen werden. Wenn wir alle den Politikern mit dem milliardenschweren Wirtschaftsfaktor entgegentreten können, dann würden sicher nicht in kleinlich populistischer Art strenge Gesetze weiter verschärft, sondern wie in der Wirtschaft üblich, gar gelockert werden.
Paul Cech
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