January 21st, 2007

Hunde im Hotel

Hunde gehören noch immer nicht zu den liebsten Gästen in der Hotellerie. Warum man aber deswegen auf rund 15 Millionen Urlaubs-Gäste im deutschsprachigen Raum freiwillig verzichtet.


Im Katalog schaut ja alles bestens aus: Das Hotel ist “hundefreundlich”, auf den Fotos sieht man Kinder mit Hund in der Wiese herumtollen… einfach paradiesisch! Gleich beim Eingang steht ein Wassernapf, aus dem zwar schon zehn andere Hunde getrunken haben – aber immerhin. Bei der Rezeption wird ein Hunde-Snack überreicht – eine nette Geste.

Das Zimmer liegt dann im 1. Stock und vom Balkon blickt man in den Gastgarten, wo Leute lärmen und andere Hunde bellen. Der eigene Vierbeiner ist natürlich begeistert – und begrüßt bellend gleich seine “Kumpels” unten im Gastgarten.

Noch freundlicher sind jene Hoteliers, die Gäste mit Hunden ebenerdig einquartieren – damit man mit dem Hund gleich nach Draussen kann. Hier hat kaum wer gedacht, dass auch andere Hunde in das Zimmer können, Katzen vorbei laufen und man nie und nimmer die Terrassentür offen haben kann, um durchzulüften.

Kurz danach kommt überhaupt die Ernüchterung: Hunde dürfen nicht ins Restaurant. Warum eigentlich nicht? Warum dürfen Hunde nicht still unter dem Tisch schlafen, während Herrchen und Frauchen gemütlich essen und trinken? Aus hygienischen Gründen? Achtet man aus diesem Grund auch so gerne auf Leute, die sich mit offensichtlichen Hautausschlägen am Frühstücksbuffet bedienen? Verbietet man Gästen zu niesen?

Oder ist es die Angst, dass ein Hund zu bellen bzw. zu raufen beginnen könnte? Was tut man mit lärmenden, störenden menschlichen Besuchern eines Restaurants? Man bittet sie, das Lokal zu verlassen. Genau das sollte man auch machen, wenn ein Hund stören sollte. Höflich hinauskomplimentieren. Nur, was können die ca. 90 Prozent Hundebesitzer dafür, wenn sich ein paar Leute nicht an die Spielregeln halten? Aber ist es mit Kindern nicht oft ähnlich?

Und schließlich: Die teilweise horrenden Preise, die pro Hund und Tag verlangt werden. Warum eigentlich? Ist es der Schmutz, den Hunde verursachen? Menschen gehen mit Bergschuhen in das Zimmer und es stört nicht. Manche übergeben sich nach zu langem Bar-Besuch. Aber darüber schaut man hinweg. Eine Cola-Flasche, die umfällt, zertretene Salzstangerln am Boden – alles “Kavalier-Delikte”, die gratis sind. Geputzt und gesaugt werden muss sowieso…. Welchen Schmutz verursachen aber Hunde, dass präventiv eine Gebühr eingehoben wird?

Aber kommen wir zu den Fakten: In Österreich leben 590.000 Hunde mit 972.000 Menschen zusammen. Das sind 14 Prozent der Bevölkerung. Hundebesitzer findet man in höheren sozialen Schichten, in kinderreichen Familien. “Hundler” sind ausgeglichener, geselliger, toleranter, gesünder, sportlicher und fitter als der Durchschnitt der Österreicher. Dasselbe gilt – nach allen wissenschaftlichen Untersuchungen – natürlich auch für Deutsche, wo ca. sechs Millionen Hunde bei Familien leben und die Schweiz (ca. 450.000 Hunde).

Wir sind also alleine im deutschsprachigen Raum mit ca. 15 Millionen potentiellen Touristen konfrontiert, von denen viele gerne auf Urlaub fahren würden, wenn es dementsprechende Angebote gäbe.

Laut einer IMAS-Untersuchung (ÖVA 2003) sind 29 Prozent der österreichischen Hundebesitzer an Urlaubsreisen “sehr interessiert”. Immerhin ergibt das ein Potential von 280.000 Gästen. Auf den deutschsprachigen Raum umgelegt sind das knapp fünf Millionen Hundebesitzer, die Urlaub ganz oben auf ihrer Prioritäten-Liste stehen haben.

Interessanterweise spezialisieren sich im mitteleuropäischen Raum schon einige Hotels auf Hunde-Urlaube – und niemand muss sich über mangelnde Auslastung beschweren.

Das Hundesport-Hotel “Wolf” im Allgäu ist – gerade zu speziellen Hunde-Seminaren – fast bis zu einem Jahr im Voraus ausgebucht. Die “Pension Gruber” in Böckstein bei Bad Gastein hat sich zu einem Großteil auf Urlaub mit Hund verschrieben und fährt sehr gut damit. Und das “Huntel” in Maria Schmolln im Innviertel hätte ohne die vielen Hunde-Angebote in diesem entlegenen Winkel Österreichs wahrscheinlich schon längst zusperren müssen.

Sensationell auch das Beispiel des hundefreundlichen “Alpencamping Nenzing” in der Alpenregion Bludenz: Zum Spass organisierte man Hunde-Wanderungen, an denen sechs bis zehn Leute teilnahmen. Nach nur einer PR-Aussendung, einigen Artikeln und viel Mundpropaganda unter Hundebesitzern wurden es rasch 100 bis 150 Wanderer, die an den hervorragend organisierten hündischen “Held der Berge”-Wanderungen teilnahmen. Man sieht also: Der Markt ist vorhanden – doch wo bleibt das Angebot?

Mit Wassernäpfen, Hunde-Snacks ist es nicht getan. Hundebesitzer wollen mit ihrem Liebling einfach einen stressfreien Urlaub verbringen. Und der könnte ganz einfach sein:

* Zimmer, die groß genug sind, damit auch ein größerer Hund Platz zum ausgestreckten Schlafen hat bzw. ein Liege-Körbchen in den Raum passt, ohne dass alle drüberstolpern.

* Platz für Futter- und Wassernapf. Ein größerer Hund braucht ungefähr einen Radius (im Halbkreis) von 1,5 Metern, wenn er stehend frisst.

* Möglichkeit, leere Futterdosen gleich zu entsorgen.

* Hunde nie in zwei benachbarten (oder knapp gegenüber liegenden) Zimmern unterbringen. Bellt einer, fangen oft alle zu bellen an.

* Türschild (wie “Don’t disturb”) mit “Hund im Zimmer”. Das Zimmerpersonal wird es danken, wenn es vorgewarnt ist – und ein kleinerer Hund kann nicht durch eine offene Tür abhauen.

* Hunde dürfen ins Restaurant und an die Bar. Auch hier gilt: Niemals Hunde zu eng zusammen setzen. Wird die sogenannte Individual-Distanz bei einem Hund unterschritten, kann es zu lautstarken Reaktionen kommen. Möglichst auch den Blickkontakt zwischen verschiedenen Hunden vermeiden.

Apropos Restaurant: Obwohl Hundebesitzer sich im Alltag überdurchschittlich oft mit Fertiggerichten und Tiefkühlkost ernähren, sind 55 Prozent der Hundler an vernünftiger, verantwortungsbewusster Ernährung “sehr interessiert” (Bevölkerung insgesamt: 53 Prozent, Quelle: IMAS).

* Für Singels mit Hund: Ein einfacher Haken um 50 Cent unter dem Tisch oder an der Wand reicht, um den Hund kurzfristig anzuhängen, damit Herrchen/Frauchen entspannt und alleine zum Buffet oder zur Toilette gehen können.

Doch auch ausserhalb wollen die sowieso meist anspruchslosen und wahrlich nicht verwöhnten Hundebesitzer ein wenig mehr Ideen-Reichtum.

Warum gibt es in touristischen Regionen keine Hundebetreuungs-Stellen?

Wenn man im Winter nur vormittags 2-3 Stunden Ski fahren will, muss man den Hund im Hotel lassen. Was aber meist nicht geht, weil zu dieser Zeit die Zimmer gesäubert werden. Hundebetreuung bei der Lift-Tal-Station oder gar oben am Berg…. sowas wäre ein Traum und würde jene anlocken, die bisher Ski-Urlaube gestrichen haben, weil sie den Hund nicht in eine Tierpension stecken (und dafür viel bezahlen) wollen.

Es gibt zwar Langlauf-Loipen, auf denen Hunde erlaubt sind – warum aber nicht auf allen / fast allen? Wegen des Hundekots? Werden die leeren Red-Bull-Dosen und die weggeworfenen Papiertaschentücher bzw. Verpackungen von Müsli-Riegeln nicht weggeräumt?

Oder denken wir an die Ausschilderung der Wanderwege. Kostet fast nichts – wäre jedoch hilfreich. Schilder wie: “Kuhweide in 200m” oder “Gefährlicher Weg mit Absturzgefahr in 500m”, etc.

Ein wunderbares Beispiel ist eine Schlucht in Kärnten, die man in ca. zwei Stunden durchwandert. Am Ende der Schlucht führt eine steile Gitterrost-Treppe zur Bushaltestelle. Nur wenige Hunde gehen über solche Stufen – viele müssen umdrehen und den ganzen Weg mit dem Hund wieder zurückwandern. Ein Hinweisschild könnte viel Ärger ersparen.

Auch wenn es für Nicht-Hundebesitzer merkwürdig klingt: Aber viele Hunde-Gäste wären froh, wenn sie im Urlaub auf einem Hundeplatz trainieren – vielleicht sogar die eine oder andere Prüfung ablegen könnten. Spiel und Spass gemeinsam mit dem Hund. Wenn aber – wie in einem Hotel am Wörthersee – vom “hauseigenen Hundeplatz” gesprochen wird, der dann 35km entfernt liegt und es dort weder Trainer, noch Getränke und nicht einmal Wasser für die Hunde gibt, dann fühlt man sich mehr als gepflanzt.

Tourismus-Regionen investieren Millionen in neue Infrastruktur, um Gäste anzulocken. Mit gutem Willen, Adaptionen um wenige tausend Euro und guter PR könnte man Tausende Hundebesitzern einen angenehmen Urlaub bieten. Doch offenbar haben noch viele Angst vor einer “Hunde-Invasion”. Dass es auch anders geht, sieht man z.B. an “Interhome”. Die gaben 50 Prozent ihrer Ferienhäuser und Ferienwohnungen für Hunde frei. Die Umsätze steigen und Probleme gab es mit Hunden bisher noch keine. Ein wunderbares Beispiel.

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