July 31st, 2010
“Hund ohne Mensch – Mensch ohne Hund?”
Zum Abschluss des 2. Canine Science Forum fand am 29. Juli ein „Satellitensymposium statt, dessen Hauptaufgabe es war, die Highlights und Haupterkenntnisse des Kongresses einem deutssprachigen Publikum von Hundepraktikern und –interessierten verständlich zu präsentieren. Diese Aufgabe übernahmen die Professoren Adam Miklosi (Eötvös Universität Budapest und Ludwig Huber, sowie Iris Schöberl (Uni Wien).
Die interessantesten Neuigkeiten der Forschung an Kaniden (Hundeartige, Hunde, Wölfe) gab es zu ihrer Genetik, zu Verhalten und geistiger Leistungsfähigkeit und zur Beziehung Mensch-Hund. So etwa wird auch von der Wissenschaft die Bedeutung der Dominanz und der Hierarchie bei Wölfen und Hunden, sowie zwischen Mensch und Hund relativiert. Höchst aktuell auch, dass sich trotz aller Bemühungen einer Reihe von Arbeitsgruppen „Wesen“, bzw. Persönlichkeit von Welpen und erwachsenen Hunden nicht zuverlässig testen lässt. Und es wird immer klarer, dass Hund im sozialen und evolutionären „Package“ mit Menschen gesehen werden müssen
Dazu stellte Prof. Kurt Kotrschal, eine gewagte These auf:
„Hunde ohne Menschenbezug sind nicht definiert. Hunde sind in ihrer evolutions-und Domestikationsgeschichte so an das Zusammenleben mit Menschen angepasst, dass es nicht sinnvoll ist den Hunde ohne Bezug zu ihren Menschen zu untersuchen“
Kotrschal bezieht sich dabei auf die zentrale Bedeutung der sozialen Beziehung. Auch neuesten Studien des „Wolf Science Centers“ zeigen dass Wölfe zwar auch im Zusammenleben mit Menschen ihr eigenes wölfisches Verhalten beibehalten, aber sobald sie mit Menschen gemeinsam leben, trainiert werden, lernen sie nach und nach, sich an „ihre“ Menschen anzupassen und zu kooperieren – sind also keine „wilden Wölfe“ mehr, sondern beginnen durch ihre Menschenbezug „Hundeartig “ zu werden.
Prof. Ludwig Huber (Uni Wien) referierte Studien des WSC, wie auch Wölfe, wenn sie menschenbezogen aufgezogen werden, ähnlich wie Hunde dazu fähig sind, kooperativ mit Menschen arbeiten, bei schwierigen Kooperationsaufgaben können sie sogar besser sein, als Hunde.
Adam Miklosi aus Budapest (er war einer der ersten in Europa, der sich wissenschaftlich um Hund-Mensch-Beziehung kümmerte: „Wien und Budapest: Wir sind weltweit das Zentrum der Hundeforschung der Welt“), nahm in seinem Statement ganz klar Stellung: „Man kann Aggression bei Hunden wissenschaftlich gesehen nicht an einzelnen Rassen festmachen.
Miklosi: „Man kann mit einem sogenannten allgemeinen Wesenstest die Aggressionsbereitschaft gegenüber Menschen oder anderen Hunden gegenüber niemals sicher feststellen feststellen“
Vielmehr gehe es darum, dass man in der Zucht jene Hunde aus-selektiere, die „auffällig“ wären. Doch dies passiere leider seitens der Züchter zu selten.
Beim von Royal Canin“-gesponserten „Canine Science Forum“ waren übrigens knapp 300 Wissenschaftler aus 36 Nationen dabei.
Neben Österreichern besuchten den Kongress vorrangig Italiener, Amerikaner und Engländer, Deutsche und Japaner. Aber es waren auch interessierte Wissenschaftler aus Neu Seeland, Süd Afrika, Russland, Kamerun und Sudan dabei.
Das „Thema Hund, Caniden & Mensch“ ist also ein internationales, weltweites.
Der nächste Kongress „Canine Science Forum“ findet 2012 statt. Wo, das ist noch nicht ganz geklärt.
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